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Kammerschlager Flachmoorwiese

Das artenreiche Flachmoor ist durch traditionelle Bewirtschaftung entstanden und stellt ein Relikt aus dem vergangenen Jahrhundert dar. Nur durch die Fortführung einer extensiven Bewirtschaftung kann dieses Naturjuwel erhalten werden.

Entwicklungsziel

Die Ziele auf dieser Fläche sind die Erhaltung der Flachmoorwiese sowie die qualitative Verbesserung von Teilflächen durch extensive Bewirtschaftung.

Kurzbeschreibung der Fläche

Mühlviertel, Bezirk Urfahr-Umgebung, Gemeinde Kirchschlag, 1 ha, Eigentum des Naturschutzbundes, betreut seit 1997

Der südliche Teil dieser als Naturschutzgebiet ausgewiesenen Fläche ist leicht gewölbt und bildet ein Flachmoor mit einer an nährstoffarme Verhältnisse angepassten Vegetation. Es konnten hier über 100 Pflanzenarten, darunter eine Reihe seltener und bedrohter Arten, festgestellt werden. Der nördliche Teil wurde früher einmal als Wildacker genutzt und wies bei Übernahme durch den Naturschutzbund eine artenarme Vegetation, in der das Weiche Honiggras (Holcus mollis) dominierte, auf. Durch die extensive Bewirtschaftung wurde das Honiggras zurückgedrängt und vom Süden her breiteten sich Feuchtwiesenarten aus. So wanderte das Wald-Läusekraut (Pedicularis sylvatica) ein und bildet hier mittlerweile große Bestände.
Diese weitgehend nährstoffarme und dadurch artenreiche Fläche entstand durch traditionelle Bewirtschaftung früherer Jahrzehnte und stellt dadurch auch ein Kulturrelikt dar. Durch das Wasserspeichervermögen wird durch den Erhalt von Feuchtflächen wie der Kammerschlager Flachmoorwiese die Hochwassergefahr bei Starkregenereignissen verringert.

Schutz und Management

Für die Erhaltung seltener Arten wird die Fläche einmal jährlich Ende Juli oder Anfang August gemäht. Einige Gräben werden regelmäßig händisch geräumt, damit große Teile der Fläche maschinell bewirtschaftet werden können. Es wird aber darauf geachtet, dass die Flächen trotzdem feucht bleiben. Im Südteil dagegen wurden Gräben gänzlich abgedichtet, um hier niedrigwüchsige und seltene Arten wie den Rundblättrigen Sonnentau (Drosera rotundifolia) zu fördern. 2012 erfolgte eine Ansalbung des Böhmischen Kranzenzians (Gentianella praecox ssp. bohemica), einer vom Aussterben bedrohten Pflanzenart der Böhmischen Masse. Das Samenmaterial stammt nur von einem wenigen Kilometer entfernten, mittlerweile aber ausgestorbenen Vorkommen.

Schutzgüter

Der Rundblättrige Sonnentau (Drosera rotundifolia) und das Gewöhnliche Fettkraut (Pinguicula vulgaris), die mit ihren klebrigen Blättern Kleintiere fangen und verdauen („fleischfressende Pflanzen“), sind neben Wald-Läusekraut (Pedicularis sylvatica), Scheidigem Wollgras (Eriophorum vaginatum) und dem Schmalblättrigem Wollgras (Eriophorum angustifolium) einige der Besonderheiten in der Pflanzenwelt auf dieser Fläche. Auch sind Orchideen wie die Gefleckte Fingerwurz (Dactylorhiza maculata) und die Breitblättrige Fingerwurz (Dactylorhiza majalis) zu erwähnen. Selbst die stark bedrohte Gewöhnliche Moosbeere (Vaccinium oxycoccos) ist hier zu finden. Unter den Tieren sind die Heuschreckenarten Sumpfgrashüpfer (Chorthippus montanus), Kleiner Heidegrashüpfer (Stenobothrus stigmaticus), die Kurzflügelige Beißschrecke (Metrioptera brachyptera) sowie die Tagfalter Braunfleckiger Perlmutterfalter (Clossiana selene) und Baldrian-Scheckenfalter (Melitaea diamina) seltene Arten, die hier einen Lebensraum gefunden haben.